Pflege-Kräfte im Spannungsfeld und Interview

Elke Kaschdailewitsch ist pflegerische Leitung der Onkologie, Hermann Glaser Gesundheits- und Krankenpfleger. Gemeinsam haben sie 80 Jahre Pflegeerfahrung im Gepäck. Sie seit 1979, er seit 1985. Beide arbeiten auf der onkologischen Station der Filderklinik und praktizieren Ihren Beruf mit Leib und Seele. Und obwohl es oft sehr stressig ist, strahlen sie eine unglaubliche Ruhe aus.

Wie schaffen Sie es, im Spannungsfeld zwischen Pflegemanagement, therapeutischer Pflege und menschlicher Zuwendung den Überblick zu behalten und die Ruhe zu bewahren?

Elke Kaschdailewitsch: Wir wirken in einem tollen Team, verstehen uns sehr gut und arbeiten eng zusammen. Unser Team besteht aus einer guten Mischung aus erfahrenen und jungen Pflegekräften. Jeder bringt all sein Wissen und seine Menschlichkeit ein. Wir unterstützen uns und können uns aufeinander verlassen, egal wie stressig es gerade ist.

„Unser Team besteht aus einer guten Mischung aus erfahrenen und jungen Pflegekräften. Jeder bringt all sein Wissen und seine Menschlichkeit ein. “
Elke Kaschdailewitsch

Elke Kaschdailewitsch

Die onkologische Station ist ein besonderes Arbeitsumfeld. War der Einstieg schwer?

Hermann Glaser: Dort anzukommen war aufgrund des klasse Teams leicht - durchhalten nicht immer. Und dennoch bin ich dort glücklich in meinem Beruf. Der Altersmix der Patienten auf der onkologischen Station spiegelt die ganze Spanne des Lebensbogens. Wir begleiten die Patienten über einen längeren Zeitraum, da sie im Rahmen der Therapie immer wieder kommen. Dadurch entstehen Beziehungen. Es ist etwas Besonderes, die Menschen in einer existenziellen Problemphase zu begleiten.

Aber ist das nicht auch emotional belastend?

Elke Kaschadilewitsch: Es trifft einen unterschiedlich. Die eigene innere Haltung ist sehr wichtig. Wir sehen uns nicht als Helfer, sondern als Begleiter, die die Patienten in ihrer Selbstwirksamkeit unterstützen. Wir alle haben außerdem eine besondere Haltung zu Heilung. Wir beschäftigen uns mit unserer Endlichkeit und lernen aus den menschlichen Begegnungen. Was wir tun können, das machen wir. Unsere Patienten werden, falls es so kommt, bis in den Tod begleitet, mit Verabschiedung, damit die Trauerarbeit besser durchlebt werden kann. Das ist auch für das Personal sehr wichtig.

Hermann Glaser: Jeder von uns geht anders mit Seelsorge um. Patienten finden ihren für sie passenden Pfleger, bei dem sie am besten anschließen können. Man geht unterschiedlich tief in Gespräche rein. Das ist auch gut so. Ich selbst mache nicht sehr viele Worte, sondern kommuniziere über Berührung und ergreife therapeutische Maßnahmen. Einfach da sein.

„Ich selbst mache nicht sehr viele Worte, sondern kommuniziere über Berührung und ergreife therapeutische Maßnahmen. Einfach da sein.“

Hermann Glaser, Gesundheits- und Krankenpfleger

Sie beide sind nicht nur auf Station, sondern auch anderweitig aktiv. Wie engagieren Sie sich noch?

Hermann Glaser: Ich bin mit 50 Prozent als Praxisanleiter im Pflege-Bildungszentrum an der Filderklinik tätig. Dort kann ich meine Erfahrung, mein Wissen und die Begeisterung für den Pflegeberuf an die nächste Generation weitergeben. Als Ausbilder für Rhythmische Einreibungen und Kinaesthetics-Trainer freue ich mich außerdem über die Arbeit mit Menschen aus anderen Lebensfeldern – zum Beispiel aus der Altenpflege oder auch werdenden Eltern. Für mich selbst bietet das eine gute Möglichkeit der Reflexion und ein bisschen Abstand zum Stationsalltag, in dem die Taktung immer enger wird. Krebs kennt keine Feiertage, keine Wochenenden.

Elke Kaschdailewitsch: Auch ich arbeite momentan in Teilzeit auf Station, da ich zusätzlich seit Herbst am Institut für Allgemeinmedizin und interprofessionelle Versorgung der Universität Tübingen eine Studie begleite, die sich unter anderem mit komplementären pflegerischen Maßnahmen bei onkologischen Patienten befasst. Das ist etwas Besonderes, da es Pflegeforschung, also evidenzbasierte Daten zu diesem Thema quasi nicht gibt. Solche Studien benötigen wir dringend, damit sich auch die Pflege politischer positionieren kann. Außerdem überlege ich, noch in die Praxisanleitung zu gehen. Ich habe nach all den Jahren noch Träume in meinem Berufsleben: Ich möchte mein Wissen weitergeben. Das sehe ich als meine Verantwortung.

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Ansprechpartner

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Ärztlicher Direktor, Chefarzt

Dr. med.  Stefan  Hiller

Fon 0711 7703 4754

Weitere Informationen zum Thema Krebs finden Sie auf den Seiten des Zentrums für Integrative Onkologie und der Abteilung Frauenheilkunde
 

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