Kleines Dreifachwunder Erneute Drillingsgeburt ohne Kaiserschnitt

Bereits zum dritten Mal wurden in der Filderklinik Drillinge auf natürlichem Weg geboren. Damit

bleibt sich die Klinik, die für ihre interventionsarme Geburtshilfe bekannt ist, trotz der ständig

wachsenden Geburtenzahlen treu.

 

Gut 10.0000 Geburten hat Dr. Hauke Schütt, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Filderklinik, schon begleitet. Doch am ersten Tag nach seinem Sommerurlaub wartete eine besondere Herausforderung im Kreißsaal: eine Patientin, die mit Drillingen schwanger war.

Theresa Wolf-Hoffmann aus Stutensee hatte sich im Mai erstmals in der Filderklinik vorgestellt. „Ich wollte unbedingt versuchen, meine Kinder auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen. In der Klinik, in der ich anfangs in Behandlung war, war dies aber keine Option. Stattdessen wurde ich stets darauf hingewiesen, wie viele Risiken eine Mehrlingsschwangerschaft mit sich bringt.“ Über eine Internetrecherche wurden sie und ihr Mann auf die Filderklinik aufmerksam und vereinbarten einen Sprechstundentermin. „Wir sind nach dem Gespräch total beruhigt nach Hause gefahren“, erklärt Andreas Wolf. „Unser Anliegen wurde ernst genommen, all unsere Fragen wurden beantwortet, ohne dass wir permanent mit Worten wir „Hochrisikoschwangerschaft“ verunsichert wurden.“


Seitdem kam die 33-Jährige regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen nach Filderstadt. In der Anthroposophischen Klinik erhalten Mütter, bei denen eine zu frühe Geburt droht, Wickel, Massagen, Musiktherapie, und Heilgymnastik. Drei Babys gleichzeitig auszutragen ist sehr kräftezehrend. Aber: „Jeder Tag, an dem sich die Kinder noch im Mutterleib entwickeln können, zählt“, erklärt Schütt. „Als Geburtshelfer gehört es manchmal eben auch zu unseren Aufgaben dafür zu sorgen, dass Schwangere ihre Kinder noch nicht bekommen.“ Und das hat Theresa Wolf-Hoffmann, die ab der 20. Woche ihre Schwangerschaft liegend verbringen musste, tapfer gemeistert: am Morgen des 1. Septembers kam sie in der 35. Schwangerschaftswoche mit Blasenprung in die Klinik. Und tatsächlich konnte sie sich dort ihren größten Wunsch erfüllen: 
ihre Kinder erblickten alle auf natürlichem Weg das Licht der Welt. „Die Geburt war einfach schön“, erzählt sie. „Wenn ich ein Wort wählen dürfte, um die Atmosphäre zu beschreiben, würde ich „behutsam“ wählen. Wir wussten natürlich, dass bei einer Drillingsgeburt im Hintergrund richtig was los ist, aber davon war im Kreißsaal nichts zu spüren. Alle haben so eine Ruhe ausgestrahlt, es ging nie laut oder hektisch zu.“ Trotz der spontanen Drillingsgeburt hat Theresa Wolf-Hoffmann keinerlei Geburtsverletzungen und kann sich gut um die Babys kümmern. 

Dass ihre Geburt etwas ganz Außergewöhnliches war, werden Lea, Lilly und Toni erst in vielen Jahren verstehen. „Die allerwenigsten Kinder aus Mehrlingsschwangerschaften kommen natürlich auf die Welt, sondern werden bereits einige Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin per Kaiserschnitt geholt“, so Schütt. Der Grund: Zum einen sind Kaiserschnitte für die Kliniken besser planbar und werden besser vergütet als eine natürliche Geburt. Zum anderen verfügt das Personal in der Geburtshilfe vielerorts nicht mehr über entsprechendes Know-how, um auch kompliziertere Geburtsverläufe natürlich begleiten zu können. Nicht so in der Filderklinik, wo genau diese Fähigkeiten noch gelehrt und gefördert werden. Die Klinik hat mit 15% deutschlandweit die niedrigste Kaiserschnittrate. 

Neben den speziellen Fachkenntnissen und der Erfahrung der Geburtshelfer ist dies nur möglich, da die Klinik über eine hervorragende Notfallversorgung verfügt. Ein 16-köpfiges Team aus Hebammen, Fachpflegenden sowie Ärztinnen und Ärzten der Geburtshilfe, Anästhesie , Kinderheilkunde und Neonatologie stand bereit, als bei Theresa Wolf-Hoffmann die Presswehen einsetzten. „Wir gehen kein Risiko ein. Wenn wir unter einer natürlichen Geburt feststellen, dass ein Kaiserschnitt notwendig ist, können wir unmittelbar reagieren. Unser interdisziplinäres Team arbeitet hier Hand in Hand“, erklärt Dr. Jan Vagedes. Er ist Chefarzt der Kinder- und Jugendheilkunde und betreut mit seinem Team Kinder ab der 29. Schwangerschaftswoche intensivmedizinsch. Anfang des Jahres wurde seine Abteilung um sechs zusätzliche Betten für Neu- und Frühgeborene erweitert. „Wir sind technisch auf dem absolut neuesten Stand“, so Vagedes. „Für die Beatmung, das Monitoring und Versorgung der Neu- und Frühgeborenen in Inkubatoren haben wir High-Tech der neuesten Generation in unserer Neonatologie.“ Dort werden aktuell auch die beiden Töchter und der Sohn von Familie WolfHoffmann betreut. „Den Babys geht es sehr gut. Lilly ist die kleinste des Dreigestirns, hatte aber immerhin auch ein Geburtsgewicht von 1890g. Alle drei müssen nun noch zunehmen, das Trinken klappt schon prima“, freut sich Silke Besemer, die Stationsleitung. Sie und ihr Team haben alle Hände voll zu tun. Das liegt nicht nur an den Drillingen, sondern am sehr hohen Geburtenaufkommen in der Filderklinik. Diese ist auf einem guten Weg, ihren letzten Geburtenrekord mit 2.400 Kindern in diesem Jahr erneut zu brechen. 

„Wir sind so unglaublich dankbar, was die Neonatologie für uns möglich gemacht hat“, sagt die frischgebackene Mama und kriegt feuchte Augen. „Man hat uns von Anfang an gesagt, dass es aufgrund der hohen Auslastung sein kann, dass die Babys verlegt werden müssen. Bei Lilly war das für einen Tag auch der Fall. Die Oberärztin, die Lilly bei der Fahrt nach Esslingen begleitete, hat uns aber direkt nach der Ankunft dort angerufen und uns gesagt, dass alles in bester Ordnung ist.“ Und auch ihr Mann ist voll des Lobes für das gesamte Team. „Es war schon während der Geburt echt überwältigend mitzuerleben, wie viele Menschen in den Nebenzimmern für uns und unsere Kinder bereit standen. Und wir sind immer noch gerührt, wie sich das ganze Team der Neonatologie eingesetzt hat, um es irgendwie möglich zu machen, dass Lilly zu uns zurückkommen kann. Die Menschen machen hier nicht einfach einen Job, sie kümmern sich um unsere Babys, als ob es ihre eigenen wären.“