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Psycho-Diabetologie

Das psychodiabetologische Behandlungskonzept
der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin der Filderklinik
Anthroposophisches Zentrum für chronisch kranke Kinder

Leitender Arzt und Kinderdiabetologe: Dr. Markus Krüger

Leiter der Psychodiabetologie: Diplompsychologe Béla Bartus

Warum und wozu?

Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus werden in der Regel durch ein kompetentes kinderdiabetologisches Team behandelt. Allerdings kommt es im Verlauf der Erkrankung in ca.30% der Fälle zu Problemen mit der Einstellung des Diabetes, die psychische Ursachen haben. Oder die psychische Krankheitsbewältigung gelingt nicht angemessen und es resultieren akute oder chronische Belastungsreaktionen auf der Basis des Diabetes. Ein Teil dieser Probleme kann durch ambulante psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen aufgefangen werden. In anderen Fällen kann es aber notwendig sein, eine stationäre psychologische und diabetologische Behandlung durchzuführen.

Die gleichzeitige interdisziplinäre Betreuung von Patienten mit Diabetes durch einen Diabetologen und einem Psychologen oder Psychotherapeuten wird als pschodiabetologische Behandlung bezeichnet. 

Wenn somatische und psychische Erkrankungen gemeinsam auftreten, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen entweder nur aus medizinischer oder nur aus psychologischer Sicht versorgt werden. Der Gesichtspunkt der gegenseitigen Bedingtheit wird übersehen und bleibt bei der Behandlung unberücksichtigt. Um klinische Beispiele zu nennen: Bei ADHS  hilft auch wiederholte Diabetes-Schulung nicht. Bei Angsterkrankungen werden auch individuelle Spritzpläne im entscheidenden Moment einfach nicht umgesetzt. Bei Dyskalkulie ist ein sorgfältig erarbeitetes Korrekturschema wenig wert. Umgekehrt reicht eine reine psychologische Behandlung nicht aus um in diesen Fällen einen entgleisten Diabetes neu „einzustellen“.
Selbst wenn die psychische Störung aus psychiatrischer Sicht noch nicht so schwerwiegend eingestuft wird, kann es im Diabetesalltag bereits zu einer erheblichen Beeinträchtigung führen. Beispielsweise  kann eine geringe Antriebsstörung bei einer leichten Depression die verlässliche Versorgung des Diabetes deutlich erschweren und damit weitere Frustration erzeugen, die wiederum die Depression verstärkt. Andererseits muss die psychologische Behandlung auch die Besonderheiten der Diabetestherapie berücksichtigen.

Man kann einen Jugendlichen mit Depression und Diabetes nicht auf eine lange Warteliste setzen, ohne die Gefahr schwerer Stoffwechselentgleisungen in Kauf zu nehmen. Die Fälle zeigen, dass der Behandlungsbedarf und die Zielsetzung aus einem einzigen fachlichen Blickwinkel heraus nicht ausreicht.  Dagegen ermöglicht die Psychodiabetologie eine multiprofessionelle Arbeitsweise und führt im wahrsten Sinne des Wortes zu einer ganzheitlichen Versorgung der Patienten. 

Wer wird behandelt?

In das Behandlungskonzept werden aufgenommen: Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus und psychischer Auffälligkeit oder psychiatrischer Störung (z.B. Ängste und Phobien, Schulvermeidung, Störung des Sozialverhaltens, Depression, Probleme mit der Krankheitsakzeptanz oder Krankheitsbewältigung). 

A: Ambulante psychodiabetologische Versorgung:

Für alle Kinder, die in der Kinder-Diabetologischen Ambulanz der Filderklinik betreut werden besteht die Möglichkeit, sich in der psychodiabetologischen Sprechstunde vorzustellen.

Auch Kinder, die in auswärtigen Diabetesambulanzen versorgt werden, können jederzeit in die psychodiabetologische Sprechstunde überwiesen werden.

Bei akutem Bedarf kann direkt aus der Diabetessprechstunde heraus der Kontakt zum Psychodiabetologen hergestellt werden.

Eine ambulante Psychotherapie kann im Rahmen der psychodiabetologischen Sprechstunde durchgeführt werden. 

B: Stationäre psychodiabetologische Versorgung

Wie erfolgt die Einweisung?

  • Einweisung durch Kinder- und Jugendarzt, -Diabetologe oder Hausarzt
  • Eigeninitiative der betroffenen Familien 

Vorab:

In einem ambulanten Gespräch in der psychodiabetologischen Sprechstunde im Vorfeld kommt es

  • zur Klärung der stationären Behandlungsnotwendigkeit
  • zur Darstellung der Therapieoptionen
  • zur Planung der Aufenthaltsdauer (ca. 3 – 6 Wochen)
  • zu Absprachen über die Stationsregeln

Eine Mitaufnahme eines Elternteiles bei jungen Patienten ist nach Absprache möglich. 

Stationärer Verlauf:

  • Psychologische Diagnostik und psychotherapeutische Behandlung durch Psychodiabetologen
  • Diabetesbehandlung durch Kinder- und Jugend-Diabetologen und Kinder- Diabetesteam mit Begleitung bei allen diabetischen Maßnahmen wie Blutzucker messen, Essen berechnen, Insulingabe
  • Evaluierung des Diabeteswissens und entsprechende individuelle Nachschulungen, Diabetesberatung, Ernährungsberatung
  • Diabetestherapieoptimierung und ggf. Therapieumstellung
  • Einbeziehung der Eltern, Pflegefamilien und Betreuer
  • Kontinuierlicher Austausch mit den einweisenden Ärzten, Diabetesteams und anderen Betreuungspersonen
  • Ggf. sozialpädiatrische Vernetzung und Kooperation mit Jugendämtern, wo erforderlich 

Weitere therapeutische Maßnahmen:

  • Behandlung im Sinne eines ganzheitlichen Menschenverständnisses (Leib – Seele – Geist), daraus folgen:
  • Anthroposophische Therapiekonzepte und –Behandlungsweisen, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Dazu gehören:
    • Naturheilkundlich-Anthroposophische Medikamente,
    • Einreibungen,
    • Massagen,
    • Öldispersionsbäder,
    • Wickel und Auflagen,
    • Musiktherapie,
    • Kunsttherapie,
    • Eurythmietherapie,
    • Sprachtherapie,
    • Bothmergymnastik,
    • Farblichttherapie,
    • Physiotherapie,
    • Erlebnispädagogik,
    • Heilpädagogik 

Schule für Kinder mit längerem Krankenhausaufenthalt:

In Abhängigkeit der individuellen Situation und Bedürfnisse können die Kinder und Jugendlichen während des stationären Aufenthaltes in den Räumen der Klinik die Klinikschule besuchen. Auf diese Weise kann bei längeren Aufenthalten ein Teil des laufenden Schulstoffes nach Absprache mit der Heimatschule den Kindern vermittelt werden. Kinder mit schulvermeidendem Verhalten können in einem therapeutisch begleiteten Prozess schrittweise an den Schulbesuch herangeführt werden. 

Ziele des therapeutischen Aufenthaltes:

Es werden Autonomie und Selbstwirksamkeit gefördert, die Akzeptanz des Diabetes verbessert und ein altersgemäßer, selbstbewusster Umgang mit dem Diabetes vermittelt. Parallel dazu werden die psychischen Auffälligkeiten und –Störungen im komplexen therapeutischen Rahmen behandelt. Gegen Ende werden die Kinder und Jugendlichen durch unterschiedliche Erprobungsmodelle zunehmend in die Selbstständigkeit geführt. 

Nach dem stationären Aufenthalt:

Eine ambulante Weiterbehandlung, wohnortnah, nach individuellen Bedürfnissen, wird eingeleitet. Eine Evaluation des Therapieerfolges erfolgt nach 3 und 12 Monaten durch ambulante Kontakte und Evaluationsbögen. 

Kontakt, Sprechstunde und Koordination der Aufnahme:

Diplompsychologe Béla Bartus

b.bartus(@)filderklinik.de

0711/ 7703 1370 (Psychodiabetologische Ambulanz, Dorothea Früh, Britta Ocker)

0711/ 7703 1270 (Sekretariat, Iris Haaga-Stark)

0711/ 7703 0 (Pforte)

0711/ 7703 1380 (Telefax)

0711/ 7703 7152 (Anrufbeantworter bei psychodiabetologischen Fragen: um Rückruf durch Herrn Bartus bitten)