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Mistelforschung

Abgeschlossene klinische Studien:

  1. Klinische Studie zur Immun stabilisierenden Wirkung einer Misteltherapie bei Darmkrebspatienten schon während der Operation

  2. Klinische Studie zur Aktivität von Killerzellen bei Tumorpatienten unter Misteltherapie

     

1. Klinische Studie liefert den Nachweis einer immunstabilisierenden Wirkung perioperativer Mistelinfusionen bei Darmkrebspatienten !

(zur Veröffentlichung angenommen bei der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“)

Mit unserer kürzlich abgeschlossenen klinischen Studie zur perioperativen Misteltherapie konnten wir nachweisen, dass eine Infusion mit Mistelextrakt (Iscador®), die schon während der Operation gegeben wird, die narkose- und operationsbedingte Hemmung des Immunsystems von Darmkrebspatienten verhindern kann.

Titel der Studie:

"Prospektive, kontrollierte, randomisierte sequentielle Phase III-Studie zum Einfluss perioperativer Mistelinfusionen auf eine operations- und narkosebedingte Immunsuppression und auf die postoperative Komplikationsrate."

Problemstellung und Aufgabe des Projekts:

Operation und Narkose bewirken beim Patienten immer eine gewisse Schwächung des Abwehrsystems, das gerade bei an Krebs erkrankten Menschen unerwünscht und bedenklich ist. Im Rahmen unserer Studie wurde die Vermutung überprüft ob Mistelextrakte in der Lage sind, dieser Schwächung des Abwehrsystems des Patienten entgegenzuwirken.

Veröffentlichungen in Fachzeitschriften haben gezeigt, dass die Hemmung des Abwehrsystems unter der Narkose und der Operation bei Dickdarmkrebspatienten durch eine Verringerung der Anzahl und der Aktivität verschiedener Immunzellen und hier vor allem der Natürlichen Killer (NK)-Zellen bedingt ist. Diesen NK-Zellen wird aber eine wichtige Rolle bei der Zerstörung von einzelnen Krebszellen im Blut zugeschrieben. Eine Behandlung mit Mistelextrakt kann dagegen prinzipiell die Anzahl und Aktivität der NK-Zellen steigern. Das haben Untersuchungen bei Brustkrebspatientinnen in der Nachsorgephase gezeigt. Daher erscheint es wissenschaftlich sinnvoll und nötig zu prüfen, ob dieser Misteleffekt auch während einer Operation von Darmkrebspatienten wirksam ist und die negativen Auswirkungen des Eingriffs zumindest abschwächen kann.

Rechtliches:

Die Studie wurde der Ethik-Kommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg vorgelegt und von dieser uneingeschränkt positiv begutachtet. Die Anmeldung gemäß dem Arzneimittelgesetz erging an das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn und an das Regierungspräsidium Stuttgart. Die Studie wird nach den strengen europäischen Richtlinien für klinische Prüfungen durchgeführt.

Wissenschaftliches und Methodisches:

In dieser Studie wurden über die Routineuntersuchungen des Blutes hinaus weitere und sehr spezielle Blutuntersuchungen hinsichtlich des Immunstatus des Patienten durchgeführt. Besonders Anzahl und Aktivität der Natürlichen KillerzeIlen und einer anderen an der Krebszellabwehr beteiligten Immunzellgruppe („Monozyten“), wurden intensiv untersucht.

Eine derartige Untersuchung zur Wirkung einer während der Operation durchgeführten Mistelinfusion bei Dickdarmkrebs wurde bisher noch nicht durchgeführt. Um eine wissenschaftlich haltbare Aussage zu bekommen, wurden die Patienten vor Beginn der Studie in zwei Gruppen eingeteilt. Nur eine Gruppe erhielt Mistelextrakt während der Operation. Die Gruppeneinteilung der Patienten wird durch eine computergesteuerte Zufallszuteilung durchgeführt. Durch dieses Vorgehen wird erreicht, dass sich eventuelle Unterschiede im Abwehrsystem der Patienten in beiden Gruppen gleichmäßig verteilen und der Therapieeffekt als Differenz zwischen den Gruppen messbar wird.

Ergebnis:

Das Endergebnis der Studie ist, dass die narkose- und operationsbedingte Abschwächung der Fähigkeiten der Natürlichen Killerzellen zur Abtötung von Krebszellen durch die Infusion von Mistelextrakt verringert werden kann. Der Aktivierungsgrad der Monozyten konnte durch die Therapie nicht beeinflusst werden.

Verwendbarkeit des Ergebnisses:

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass die einmalige Infusion geringer Mengen Mistelextrakt (Iscador®) während der Operation von Dickdarmkrebspatienten sinnvoll ist. Die Gruppe der behandelten Patienten wies nach der Operation eine höhere Aktivität spezieller ImmunzeIlen auf.

Die Schwächung des Abwehrsystems des Patienten während der Operation kann durch eine Infusion von Mistelextrakt gemindert werden. Nun müssen weitere Studien folgen, in denen untersucht wird, ob die Therapie mit Mistelextrakten während der Operation auch die Rezidiv- und Metastasenneigung der Krebserkrankung vermindern kann.

2. Klinische Studie zur Aktivität von Killerzellen bei Tumorpatienten unter Misteltherapie

(Publikation: Schink et al., Forsch Komplementärmed 2006;13:147-155)

Hintergrund:

Natürlichen Killerzellen wird eine wesentliche Rolle bei der Verhinderung einer Metastasierung zugeschrieben, da sie in der Lage sind, Tumorzellen zu erkennen und zu lysieren. Eine Suppression der NK-Zellaktivität gilt als ungünstiger Prognosefaktor für den weiteren Verlauf der Krebserkrankung. Andererseits ist nachgewiesen, dass Mistelextrakte die NK-Zellaktivität steigern können. Der Zusammenhang zwischen einer postoperativen Modulation der NK-Zellaktivität und dem klinischen Verlauf ist jedoch nur unzureichend erforscht.

Ziel und Design:

Der Zusammenhang zwischen der NK-Zellaktivität und dem klinischen Verlauf bei Krebspatienten unter Misteltherapie wurde in einer prospektiven, monozentrischen, einarmigen Studie untersucht. Gleichzeitig wurde die Killingaktivität gegen K562-Zellen mit der Zellfunktion gegen die autologen Tumorzellen verglichen.

Patienten und Methoden:

40 Patienten mit operablem Mamma- oder kolorektalem Karzinom wurden untersucht. Die Patienten erhielten außer einer Misteltherapie keine anderen immunrelevanten Therapien. Es wurde die absolute Anzahl der NK-Zellen sowie deren Killingaktivität sowohl gegen K562-Zellen als auch gegen die eigenen Tumorzellen über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren verfolgt und mit dem klinischen Verlauf und der Lebensqualität der Patienten verglichen.

Ergebnisse:

Die absolute Anzahl der NK-Zellen im peripheren Blut erhöhte sich im Beobachtungszeitraum. Patienten ohne Tumorprogression hatten eine signifikant höhere NK-Zellaktivität gegen K562-Zellen als Patienten mit Progression. Innerhalb letzterer Gruppe zeigten aber nur Patienten des Stadiums IV eine verringerte Zellfunktion. Die NK-Zellaktivität gegen K562-Zellen zeigte keinen Zusammenhang mit der Anzahl der NK-Zellen. Die NK-Zellaktivität gegen autologe Tumorzellen lag bei 77,5% der Patienten unter 5% und konnte nicht weiter ausgewertet werden.

Schlussfolgerungen:

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der NK-Zellaktivität und der Progression der Tumorerkrankung. In weiteren Studien ist die Ursächlichkeit des Verhältnisses der NK-Zellaktivität zur Progression zu klären. Es gelang nicht, die NK-Zellaktivität gegen autologe Tumorzellen als Verlaufsparameter zu etablieren.

Gefördert vom Bundesministerum für Bildung und Forschung (BMBF)