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Mehr Qualität im Gesundheitswesen – mit Hilfe der Patienten?

Was bedeutet Qualität im Gesundheitswesen? Und wie kann sie messbar gemacht werden? Beim Round-Table-Gespräch in der Filderklinik mit Politik, Krankenkassen und Verbänden drehte sich alles um die Schlüsselfrage beim neuen Krankenhausstrukturgesetz.

Volker Ernst und Gerhard Ranger im Gespräch.

Die Krankenkassenchefs Winfried Plötze (Barmer GEK) und Johannes Bauernfeind (AOK Neckar-Fils).

Michael Hennrich (CDU) und Matthias Gastel (Grüne) über das neue Gesetz.

Hochrangige Vertreter aus Politik, den Krankenkassen sowie den Patienten- und Sozialverbänden haben Mitte September bei einem Round-Table in der Filderklinik über das Krankenhaus-
strukturgesetz (KHSG) diskutiert. Dieses sieht finanzielle Anreize für Krankenhäuser vor, die besonders gute Qualität liefern.

Im Mittelpunkt der von der Filderklinik initiierten Veranstaltung stand daher die Frage, wie Qualität messbar ist – und ob die Politik die Patienten bei der Entwicklung von Indikatoren zur Messung von Qualität stärker beteiligen solle.

Volker Ernst, der kaufmännische Geschäftsführer der Filderklinik, ist hochzufrieden: „Wir gehen gestärkt aus den Gesprächen.“

Mehr Rechte für die Patientenvertreter
Ernst plädierte gemeinsam mit Peter Zimmermann vom Dachverband Anthroposophische Medizin dafür, die Patientenvertretungen im zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit mehr Rechten auszustatten. „Sehr viele Menschen kommen von weit her in die Filderklinik. Sie schätzen unseren ganzheitlichen Heilungsansatz, der die Schulmedizin ergänzt“, sagte der Klinikleiter. „Wir wollen erreichen, dass derartige komplementäre Angebote, die unsere Patienten sehr schätzen, in den Qualitätsindikatoren stärker berücksichtigt werden.“

Zimmermann kritisierte, dass Qualität im KHSG lediglich von Experten definiert werde. „Niemand stellt sich dabei die Frage, wie die Lebensqualität nach einem Eingriff aussieht. Gemessen wird nur, ob beispielsweise die neue Hüfte korrekt eingebaut wurde.“ Wenn der Bund ein patientengerechteres Gesundheitssystem anstrebe, dann müsse er den Patientenverbänden im G-BA ein echtes Stimmrecht geben.

Er empfahl zudem, Patientenfürsprecher in allen Krankenhäusern zu installieren, die gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) Visitationen durchführen.

Ein gutes System weiterentwickeln
Der Gesundheitspolitiker Michael Hennrich (CDU) zeigte sich offen für die Vorschläge. Er betonte jedoch, dass die Patientenvertreter bereits gut integriert seien. „Im Kern funktioniert das System. Ich schließe aber nicht aus, dass wir das noch optimieren können“, sagte er. „Für uns steht der Patient immer im Mittelpunkt, nicht im Weg.“ Ein Stimmrecht hielt Hennrich, der seit 15 Jahren im Gesundheitsausschuss des Bundestags sitzt, jedoch für „illusorisch“ – hinter den Patientenvertretern steckten oft zu viele unterschiedliche Interessensgruppen.

Oppositionspolitiker Matthias Gastel (Grüne) stimmte der Idee grundsätzlich zu, Patienten mehr in die Qualitätsfrage einzubeziehen. „Eine Objektivität zu erreichen, halte ich allerdings für sehr schwierig. Die eine Patientensicht gibt es nicht – der Manager im Krankenbett wird das Krankenhaus schneller verlassen wollen als der Rentner im Nachbarbett“, sagte er. Weiche Kriterien seien ein guter Weg, wenn die verschiedenen Erwartungen der Patienten berücksichtigt werden. „Dies wird dann auch medizinischen Zusatzleistungen gerecht, wie sie etwa von der Filderklinik angeboten werden."

„Nichts ist so gut, als dass man es nicht besser machen könnte“, ist Martin Gscheidle-Münch von der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft überzeugt, der die Patientenperspektive in den Qualitätsindikatoren bereits heute insgesamt für sehr gut berücksichtigt hielt. Es echtes Stimmrecht im G-BA lehnte er aber ab. Wesentlicher für die Krankenhäuser in der aktuellen Reformdebatte seien derzeit aber die Ängste der Kliniken um die Finanzierung des bestehenden Personals.

Krankenkassen: transparentere Qualitätsberichte und Qualitätsverträge
Die Krankenkassen sprachen sich dafür aus, die Qualitätsberichte im Gesundheitswesen weiterzuentwickeln, um die Transparenz für die Bürger zu erhöhen. „Das bereits bestehende Krankenhaus-Vergleichsportal ‚Weiße Liste‘ ist eine gute Grundlage, als eine Art ‚Stiftung Warentest‘ zu dienen. Leider ist dies in der Bevölkerung noch nicht hinreichend bekannt’“, so Winfried Plötze, Geschäftsführer der BARMER GEK Baden-Württemberg. Dies sei eine große Chance für die Filderklinik, stellt er fest: „Sie haben ja als Klinik überdurchschnittlich gut abgeschlossen.“

Auch Johannes Bauernfeind, Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, begrüßte es, dass das KHSG erstmals die Qualitätsfrage für die Krankenhausplanung stelle. „Bisher blickte die Qualitätssicherung immer nur auf das einzelne Krankenhaus und seine Prozesse, weil ein Qualitätssystem immer justiziabel sein musste. Das Gesamtergebnis war kaum im Fokus.“

Eine große Chance sah er zudem in Selektiv- bzw. Qualitätsverträgen – Exklusiv-Vereinbarungen zwischen den Kassen und einzelnen Krankenhäusern –, da die Krankenkassen das Gesamtbehandlungsergebnis in solchen Wettbewerbslösungen viel eher ins Zentrum des Interesses rücken könnten und würden.

Filderklinik-Chef Ernst begrüßte den Vorschlag: „Wir als Krankenhaus sehen eine große Chance bei Selektivverträgen mit den Kassen.“ Auch Gesundheitsexperte Hennrich stimmte dem Vorstoß zu: „Die CDU kann sich hier noch viel mehr vorstellen.“

Der Patient als bewährte politische Kraft 
Dr. Albrecht Weber vom Patientenverband GESUNDHEIT PLUS aus Berlin erinnerte an das Thema „Rooming-In“. „Die geburtshilflichen Abteilungen haben sich Ende der 1960er-Jahre aufgrund von Patientenwünschen in ganz Deutschland neu organisiert. Heute ist diese Praxis Standard“, betonte er. Auch die Abschaffung der Zehn-Euro-Praxisgebühr sei ein gutes Beispiel dafür, wie der Patient das Gesundheitswesen mitgestalten kann.

Kompetenzen herausstellen, Menschen gewinnen
Roland Sing, Vorsitzender des Sozialverbands VdK in Baden-Württemberg, sah für die Filderklinik die größte Chance darin, ihre Stärken und Zusatzangebote für die Menschen noch besser herauszustellen. „Dies wird Ihnen mehr bringen als eine stärkere Patientenbeteiligung im G-BA“, stellte er fest. „Es gibt zu viele Verbände, die rein finanzielle Interessen verfolgen.“

Grundsätzlich warnte der Träger des Bundesverdienstkreuzes davor, allzu ängstlich vor dem KHSG zu sein: „Diese Reform wird unser Gesundheitssystem nicht auf den Kopf stellen.“ Die Qualitätsoffensive sei eine gute Möglichkeit für die Filderklinik, sich von anderen abzuheben. Beim Thema Selektivverträge warnte er davor, Versicherte nicht zu verschrecken.

„Wir werden Wege finden, um uns als Klinik mit besonderem Profil weiterzubringen“, unterstrich Gerhard Ranger, Aufsichtsratsvorsitzender der Filderklinik. Der einzigartige Ansatz des Krankenhauses spiegle den Trend, den Menschen ganzheitlich zu betrachten. „Wir sind nicht besser als andere – manchmal aber einfach ‚richtiger’ für bestimmte Patienten“, so Ranger.

Die Qualitätsoffensive sehe daher er als Chance, da die Filderklinik, die in diesen Tagen ihren 40. Geburtstag feiere, sehr hohe Standards habe und in den Qualitätsberichten stets sehr gut abschneide.

Aktionstag gegen das Krankenhausstrukturgesetz
In ganz Deutschland rufen die Krankenhäuser heute, am 23. September 2015, zum bundesweiten AKTIONSTAG DER KRANKENHÄUSER unter dem Motto 'KRANKENHAUS-REFORM - SO NICHT!‘ am Brandenburger Tor in Berlin auf. Link zur Aktion: http://www.ihre-krankenhaeuser.de/dkg.php/cat/280/aid/13509

Pressekontakt

Gabriele Weinmann, Filderklinik
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0711 7703 4274
E-Mail: g.weinmann(@)filderklinik.de

Weitere Pressefotos vom Round-Table-Gespräch finden Sie hier.